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25.11.2014

Report: Internet-Radio

Wunschkonzert im World Wide Web

Wenn Sie das Gute-Laune-Radio auf UKW mit seiner Allerweltsmusik leid sind: Probieren Sie doch mal das Internetradio. Wählen Sie punktgenau Ihre musikalische Geschmacksrichtung aus oder lassen Sie sich einen Musik-kanal maßschneidern. Nicht nur am PC können Sie die Webradios empfangen, sondern auch mit immer mehr Stand-Alone-Geräten. Und beim Klang ist allmählich Besserung in Sicht

von Ulrich Wienforth

Ehrlich gesagt: Bisher haben wir in STEREO einen ziemlich großen Bogen um das Thema Internetradio gemacht. Denn was da durchs Web ­ge­streamt wurde, war meist von so lausiger Klangqualität, dass es in einem HiFi-Magazin einfach keinen Platz hatte. Eitel Sonnenschein herrscht bei den Datenraten immer noch nicht, doch dank zunehmender Verbreitung von DSL-Anschlüssen und Flat­rates sehen wir Licht am Ende des Tunnels. Werfen Sie also mit uns einen Blick auf das, was sich da im Netz tummelt und welche Möglichkeiten es bietet.

Von 2006 bis 2009 hat sich die Zahl der deutschen Internetradios mehr als vervierfacht. Gut drei Viertel davon kommen von reinen Webradio-Anbietern

Wer sendet Webradios?

Da sind zunächst mal die bekannten UKW-Stationen: Ob öffentlich-rechtlich oder privat – sie senden fast alle im „Simulcast“ via Internet und können so, unabhängig von UKW-Reichweiten, auf der ganzen Welt empfangen werden. Zusätzlich bieten die meisten dieser klassischen Radioveranstalter auch spezielle Spartenkanäle an, die nur online erreichbar sind. Die großen deutschen Privatstationen haben zu diesem Zweck die „Digital 5“ gegründet, die gemeinsam solche Kanäle produziert. Daneben gibt es unzählige, meist kleinere Anbieter bis hin zu Hobbyisten, die im Rahmen ihrer Telekom-Flat­rate ein Radioprogramm in die Welt streamen. Das muss nicht mal angemeldet werden, so lange weniger als 500 Nutzer gleichzeitig zugreifen. Aber es sind auch Sender wie der mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete „byte.fm“ darunter: ein Kanal, der von Musikern und kompetenten Journalisten moderiert wird, die nicht ständig gute Laune verbreiten müssen, sondern wie ganz normale Menschen reden. Abends und nachts sendet www.byte.fm Mitschnitte von Live-Konzerten und DJ-­Mixe. Mehr als 2000 Webradios senden allein aus Deutschland, und weltweit sind es über 12000 – alles kostenlos. Orientierungshilfe in dieser Unmenge bieten spezielle Portale wie www.radio.de, auf denen Sie die Angebote nach Genre, Sprache oder Region filtern können.

Längst streamen Privatradios wie FFH oder Antenne Bayern nicht nur ihr UKWProgramm, sondern auch spezielle Spartenkanäle. Hier das Webradio-Angebot von FFH (insgesamt 18 Kanäle)

Wie funktioniert „personalisiertes Radio“?

Noch zielgenauer als Spartenradios spielen Dienste wie Last.fm oder Aupeo Ihre persönliche Lieblingsmusik. Dazu melden Sie sich auf der Website kostenlos an, geben einen Ihrer favorisierten Interpreten ein und starten damit Ihre persönliche Radiostation. Der Anbieter spielt daraufhin Musik des von Ihnen ausgewählten Künstlers und ähnlich gelagerter Interpreten, die Sie nun jeweils Ihrer Lieblingsliste hinzufügen oder sie von ihr verbannen können. Auf diese Weise entsteht mit der Zeit ein immer schärferes persönliches Profil. Damit Ihre Playlist am Ende nicht zu eintönig wird, schlagen die „Personal Radios“ immer wieder auch neue Musikstücke vor, die andere Nutzer mit ähnlichem Musikgeschmack zu ihren Favoriten zählen. So kombinieren die Dienste den Überraschungseffekt des klassischen Radios mit der Treffsicherheit der eigenen Musiksammlung.

„Man kann sich auch einen Wolf personalisieren“

Kostenpflichtige Abo-Dienste wie Napster oder Musicload gehen noch einen Schritt weiter: Dort können Sie jeden beliebigen Musiktitel gezielt abrufen oder sich Playlists zusammenstellen. Das kann allerdings auf die Dauer lästig sein, wenn man einfach nur Musik hören will. „Man kann sich auch einen Wolf personalisieren,“ kommentiert das der Medien-Experte Professor Klaus Goldhammer.

Rechnet sich Webradio, Herr Hillmoth??

Hans-Dieter Hillmoth, Radio-FFHGeschäftsführer und Hörfunkchef des Privatfunk-Verbandes VPRT

STEREO: FFH bietet besonders viele Webradios an – rechnet sich das?
Hans-Dieter Hillmoth: Noch nicht. Aber es geht vor allem darum herauszufinden, welche Webradio-Formate Akzeptanz beim Hörer finden.

Leiden die UKW-Radiosender unter Hörerschwund?
Bisher nicht nachweisbar. Aber wenn wir nicht neue Formate und weitere Kanäle anbieten – dann machen es andere.

Wird das Internetradio künftig den klassischen Rundfunk verdrängen, auch bei der mobilen und portablen Nutzung?
UKW wird uns noch lange erhalten bleiben, eine Abschaltung 2015 wird sicher nicht stattfinden. Wir müssen da sein, wo unsere Hörer sind. Deshalb setzen wir zusätzlich auf den Weg Internet. Natürlich muss die Mobil-Versorgung in der Fläche noch besser werden, natürlich müssen wir die Preise für jeden erreichten Hörer besser in den Griff kriegen. Radio war bisher das mobilste Medium und knüpft im Internet daran an.

Könnten Sie sich ein personalisierbares Webradio à la Last­.fm vorstellen – etwa im Rahmen der „Digital 5“?
Wir denken seit längerer Zeit darüber nach. Es wird immer Hörer geben, die sich „ihr“ Programm zusammenstellen wollen – aber sind es genug, um dies kommerziell zu nutzen?

Ist es nicht an der Zeit, dem Gute-Laune-Radio mit Allerweltsmusik ein Radio für Musikliebhaber entgegenzusetzen?
Diese Radio-Programme gibt es, privat und öffentlich-rechtlich. Die Nachfrage ist derzeit allerdings nicht allzu groß – deshalb steigen die Privaten zögerlich ein. Unsere Programme sollen nicht uns, sondern unseren Hörern gefallen...

Deshalb schlägt auch Napster auf Wunsch Musik vor, die dem eigenen Geschmack nahe kommt. Bei Music­load kann man bis zu 50 dieser Listen mit je bis zu 40 Songs anlegen, man kann sie auch öffentlich zugänglich machen oder sich die Playlists anderer Nutzer anhören. Außerdem schlägt Musicload zu jedem abgespielten Song einen ähnlichen Titel vor, damit man Neues entdecken kann. Beide Dienste, Napster und Musicload, bieten auch Downloads an – aber das Streaming könnte langfristig das Herunterladen und Speichern auf der eigenen Festplatte ersetzen. Sozusagen „Cloud Listening“: Wozu die eigene Festplatte vollstopfen, wenn ich jederzeit online Zugang zu beliebiger Musik habe?

Der französische Musikdienst Deezer spielt Titel auf Abruf – in 128 kBit/s gratis, für fünf Euro im Monat in 320 kBit/s. Allerdings ist die Auswahl begrenzt

Sind alle Titel abrufbar?

Nein, nicht jeder Titel, der sich herunterladen lässt, kann auch per Stream abgerufen werden. Einige Künstler und Labels geben den – kostenpflichtigen – Down­load frei, nicht aber das Streaming. Musicload wirbt mit 5,5 Millionen stream­baren Titeln. Deutlich weniger dürften es bei Gratis-Angeboten wie beispielsweise „Deezer“ sein. Auch dort können Sie Titel gezielt abrufen. Wenn Sie aber etwa nach „Paul Simon“ suchen, werden Ihnen keine Original-Songs zur Auswahl angeboten, sondern allenfalls ein paar Cover-Versionen. Erste Musik-Majors wie Warner Music verweigern solchen Gratis-Streaming-Diensten völlig die Lizenzen und konzentrieren sich auf bezahlte Streaming-Angebote.

Mit welchen Bitraten wird gesendet?

Das Standardformat, das die meisten Webradios verwenden, ist MP3 mit 128 Kilobit pro Sekunde – also just jene Auflösung, mit der Ende der Neunziger die ersten MP3-Player begannen und von uns HiFi-Menschen belächelt wurden. Insofern besteht kein Grund, das Internetradio als hifidele Programmquelle zu bejubeln. Fast alle ARD-Sender streamen mit 128/MP3, der RBB allerdings nur mit 48 kBit/s in WMA. Im Bereich kleiner Bitraten wird häufig WMA oder auch AAC+ eingesetzt, ansonsten herrscht MP3 vor. Privatradios wie Sunshine Live, FFN oder Klassikradio begnügen sich mit MP3 bei 96 kBit/s. Nicht wenige senden aber auch MP3 in 192, einige sogar in 256 oder 320 kBit/s – das sind aber eher die kleinen Hobby-Stationen, die Sie zum Beispiel auf www.shoutcast.com finden. Personalisierbare Radios wie Last.fm und Aupeo senden in 128/MP3, aber bei Aupeo können Sie für fünf Euro pro Monat auf 192 kBit/s upgraden. Dann stehen Ihnen auch inhaltlich noch weitere Abrufmöglichkeiten zur Verfügung, und das komplette Angebot ist werbefrei. Napster bietet bei den Streams nur 128 kBit/s an, bei den Downloads aber 192, beides im WMA-Format. Die Telekom-Tochter ­Music­load streamt dagegen mit 256 oder gar 320 kBit/s in MP3. Da kann man dann von ernst zu nehmender HiFi-Qualität reden.

Netzwerkfähige Edelminis: Teac Reference H 600, bestehend aus CD-Player und Receiver mit UKW, DAB und Internetradio (komplett um 1500 Euro)
AV-Receiver der gehobenen Klasse wie Yamahas RX-V 3900 sind oft mit Netzwerkzugang und Internetradiofunktion ausgestattet
Internetradio und Netzwerkspieler mit integriertem Verstärker und Zwei-Wege-Lautsprecher: Logitech Squeezebox Radio, um 180 Euro

Warum geizen die anderen Anbieter so mit der Bitrate? Weil beim Internetradio jeder einzelne Stream Geld kostet. Denn es handelt sich nicht um „Rund“-funk, sondern um viele einzelne Punkt-zu-Punkt-Verbindun­gen. Je mehr Hörer also ein Webradio hat, desto teurer wird’s. Beispiel: Ein landesweit ausgestrahltes Programm wie Antenne Bayern hat über UKW in der Primetime über eine Million Hörer pro Stunde. Wollte man diese Menschen per Streaming bedienen, würde das derzeit 50 Mio. Euro pro Jahr kosten – zehn Mal so viel wie die UKW-Verbreitung. In fünf bis sechs Jahren, sagen Experten, könnten sich die Kosten aber dank gesunkener Streaming-Preise angeglichen haben.

Last.fm: Wunschkonzert und soziales Netzwerk

Ihr persönliches Radio können Sie im Browser hören – mitsamt Diashow...
... oder Sie laden die Last.fm-Software herunter. Dann wird auch die Musik, die Sie offline via iTunes & Co. hören, in Ihre Lieblingsliste einbezogen

Das weltweit bekannteste „Personal Radio“ ist die CBS-Tochter Last.fm. Starten Sie Ihren persönlichen Musikkanal, indem Sie einen Lieblingskünstler eintippen. Last.fm spielt Ihnen dann diese und ähnliche Musik. Wenn Ihnen ein Song nicht gefällt, können Sie ihn überspringen. Alle anderen Titel werden in Ihre persönliche Sammlung übernommen, die so immer weiter verfeinert wird. Bei der Zusammenstellung Ihres Musikkanals zieht Last.fm auch die Lieblingslisten anderer Nutzer mit ähnlichem Musikgeschmack heran. Sie können mit diesen Usern direkt in Kontakt treten und sich austauschen – ein soziales Netzwerk für Musikfans. Dazu gibt’s zahlreiche Infos zu Künstlern, Alben und Events. All dies geschieht entweder direkt im Browserfenster – zusammen mit einer Diashow – oder in der kostenlos verfügbaren Last-FM-Software. Dabei handelt es sich um einen eigenständigen Player, der über Plugins auch auswertet, welche Musik Sie offline über iTunes & Co. hören. Die Personalisierung funktioniert natürlich nur, wenn Sie sich bei Last.fm registrieren. Die Nutzung ist in Deutschland kostenlos. Wer freilich nur Songs aus seiner eigenen Lieblingsliste per Zufallswiedergabe hören will, muss ein Abo für drei Euro im Monat abschließen. Dann können Sie Last.fm auch werbefrei nutzen, während für Gratis-User beim Start ein Spot vorgeschaltet wird. Die Audio-Datenrate ist aber in beiden Fällen die gleiche: magere 128 kBit/s im MP3-Format. Auch einige Stand-Alone- Geräte wie das Muvid-Radio IR 815 bieten den Zugang zu Last.fm – allerdings nur in der kostenpflichtigen Version.

Wie finanzieren sich Webradios?

Die Produktionskosten eines Webradio-Programms sind gering, so lange es sich um den Simulcast eines UKW-Programms oder um einen unmoderierten Musikkanal handelt. Nur die Verbreitungskosten schlagen zu Buche. Kommerzielle Anbieter finanzieren ihre Gratis-Radios zum größten Teil aus Banner-Werbung, die auf dem Bildschirm erscheint. Der Nachteil: Diese Werbung erreicht nicht jene Nutzer, die Webradio auf Stand-Alone-Geräten hören. Deshalb sendet etwa Aupeo auch klassische Unterbrecher-Werbung, also Audio-Spots zwischen den Titeln. Last.fm schaltet einen Spot vor, wenn man den Radiokanal startet. Eines muss man aber bedenken: Wenn sich allein in Deutschland über 2000 Webradios den Kuchen teilen, dann bleibt für jeden einzelnen nicht genug zum Leben. Und sehr viel größer wird der Radiokuchen kaum werden. Also: Die Finanzierung steht bei vielen Anbietern auf wackligen Füßen – zumal ja auch GEMA- und GVL-Gebühren anfallen.

Wie kann man Webradio empfangen?

Auf jeden Fall brauchen Sie einen DSL-Anschluss – der muss nicht besonders schnell sein – und eine Internet-Flatrate. Sonst wird das Radiohören ein teurer Spaß. Wenn Sie Webradio am PC hören wollen, können Sie das im einfachsten Fall direkt aus dem Browser heraus tun. In einigen Fällen startet beim Abruf automatisch der Windows Media Player. Wieder andere bieten eine eigene Player-Software zum Download an.

Wer unabhängig vom PC Webradio hören will, braucht zunächst mal ein Heimnetz, vorzugsweise mit WLAN. Als Endgerät kommen die meisten Netzwerkspieler in Frage, sei es als unabhängiger Streamer oder integriert in Komplettanlagen oder AV-Receiver, oder auch All-in-one-Geräte mit eingebautem Verstärker und Lautsprechern. Das Problem dabei ist: Internetradio können Sie nicht über die Frequenz abstimmen. Und über die Zehnertastatur IP-Adressen einzugeben, wäre umständlich. Im Übrigen: Wie soll man durch Tausende Stationen navigieren? Also braucht man eine Auswahl nach Land/Region, Sprache oder Genre. Wären nun diese Daten fest in dem Radio hinterlegt, hätten neue Stationen keine Chance. Deshalb arbeiten alle Webradio-Geräte mit einem Internetportal wie vTuner zusammen. Intern ist dessen IP-Adresse hinterlegt, und man kann dann dessen Navigationsfunktion nutzen. Mehr noch: Wenn Sie sich auf der Portal-Website registrieren und diese Zugangsdaten einmalig auch im Stand­-Alone-Radio eingeben, meldet sich das Gerät fortan automatisch personalisiert auf der Website an. Dort können Sie am PC komfortabel Ihre Lieblingsstationen zusammenstellen und sie später am Internetradio mit ganz normalen Preset-Tasten abrufen. Oft haben die Gerätehersteller auch ein Abkommen mit Napster, Music­load, Last.fm & Co., so dass Sie auch diese Dienste ohne PC nutzen können.

Kann man den Stream auch aufzeichnen?

Komfortable Spezialprogramme wie Radio fx oder Radiotracker zeichnen Webradios auf und zerlegen den Stream in einzelne MP3-Files. Im Prinzip können Sie aber alles, was Ihre Soundkarte ausgibt, auch gleich wieder in Echtzeit auf der PC-Festplatte speichern, sogar kopiergeschützte Streams. Darauf spezialisiert sind Programme wie der kostenlose „No23 Recorder“ (www.no23.de) und der kostenpflichtige „Total Recorder“ (www.totalrecorder.com).

Ist auch mobiler Empfang möglich?

Das ist die Gretchenfrage: Wenn Internetradio dereinst den herkömmlichen Rundfunk ablösen soll, muss es einfach und preiswert auch unterwegs empfangbar sein. Das geht schon heute via UMTS-Daten-Flatrate. Allerdings verbrauchen Sie bei täglich einer Stunde Webradionutzung mit 128 kBit/s im Monat rund 1,6 GByte! Vorsicht – manche Provider drosseln bei dieser Datenmenge schon die Übertragungsrate! Wenn alle Leute Radio unterwegs statt über UKW via Mobilfunk empfangen würden, wären die Netze hoffnungslos verstopft. Experten sehen deshalb im Internetradio ein Zusatzangebot, aber keinen Ersatz für klassischen Rundfunk. Clevere Geräte wie der Muvid IR 815 empfangen ohnehin alles: Webradio, UKW und DAB.

Auf www.shoutcast.com können Sie Webradios nach Bitrate sortieren. Nicht wenige senden mit 320 kBit/s – meist kleine Hobby-Stationen

Das weltweit bekannteste „Personal Radio“ ist die CBS-Tochter Last.fm. Starten Sie Ihren persönlichen Musikkanal, indem Sie einen Lieblingskünstler eintippen. Last.fm spielt Ihnen dann diese und ähnliche Musik. Wenn Ihnen ein Song nicht gefällt, können Sie ihn überspringen. Alle anderen Titel werden in Ihre persönliche Sammlung übernommen, die so immer weiter verfeinert wird. Bei der Zusammenstellung Ihres Musikkanals zieht Last.fm auch die Lieblingslisten anderer Nutzer mit ähnlichem Musikgeschmack heran. Sie können mit diesen Usern direkt in Kontakt treten und sich austauschen – ein soziales Netzwerk für Musikfans. Dazu gibt’s zahlreiche Infos zu Künstlern, Alben und Events. All dies geschieht entweder direkt im Browserfenster – zusammen mit einer Diashow – oder in der kostenlos verfügbaren Last-FM-Software. Dabei handelt es sich um einen eigenständigen Player, der über Plugins auch auswertet, welche Musik Sie offline über iTunes & Co. hören. Die Personalisierung funktioniert natürlich nur, wenn Sie sich bei Last.fm registrieren. Die Nutzung ist in Deutschland kostenlos. Wer freilich nur Songs aus seiner eigenen Lieblingsliste per Zufallswiedergabe hören will, muss ein Abo für drei Euro im Monat abschließen. Dann können Sie Last.fm auch werbefrei nutzen, während für Gratis-User beim Start ein Spot vorgeschaltet wird. Die Audio-Datenrate ist aber in beiden Fällen die gleiche: magere 128 kBit/s im MP3-Format. Auch einige Stand-Alone-Geräte wie das Muvid-Radio IR 815 bieten den Zugang zu Last.fm – allerdings nur in der kostenpflichtigen Version.

Stichwort

Streaming

Übertragung von Audio/ Video via Internet oder Heimnetz in Echtzeit – im Gegensatz zum „Download“, der mit maximalem Tempo übertragen und auf der Festplatte gespeichert wird.

WPS

„WiFi Protected Set - up“: WLAN-Einrichtung ohne manuelle Passwort-Eingabe. Durch gleichzeitiges Drücken einer Taste am Endgerät und am Router gibt dieser das Passwort preis.

Aupeo: Personalisiertes Radio aus Berlin

Unter „Artist“ geben Sie ihren Lieblings-Interpreten ein – Aupeo spielt dann diese und ähnliche Musik

Wie Last.fm stellt Aupeo Musik nach dem persönlichen Geschmack des Nutzers zusammen – wobei aber nur rund 500000 Titel zur Verfügung stehen. Ausgangspunkt ist auch hier ein Lieblingsinterpret. Per Mausklick kann man die gespielten Songs in die Lieblingsliste übernehmen oder abwählen. Bei der Auswahl ähnlicher Songs bedient sich Aupeo eines vom Fraunhofer-Institut entwickelten Algorithmus, der musikalische Strukturen analysiert, aber auch die Präferenzen anderer Nutzer heranzieht. Neben den persönlichen Stationen kann man auch vorkonfigurierte Kanäle nach Stimmung oder Genre auswählen. In der kostenlosen Basisversion ist der Zugriff aber auf einige wenige Sub-Genres beschränkt. Die anderen sind Premium-Kunden vorbehalten, die für fünf Euro pro Monat außerdem die bessere Audio-Qualität geboten bekommen: 192 statt 128 kBit/s. Im Übrigen ist der Premium-Dienst werbefrei, während bei Basiskunden Spots zwischengeschaltet werden. Aupeo lässt sich auf zahlreichen Solo-Geräten nutzen – auch in der Gratis-Version: zum Beispiel auf Terratecs Noxon-Radios.

Ein Klick auf das Herz-Symbol (oben) fügt das aktuell gespielte Stück zur Lieblingsliste hinzu. Unten: Wahlweise können Sie auf vorkonfigurierte Stationen zugreifen

Radio Fx: Mitschneiden, bis die Festplatte kracht

Früher haben wir mit dem Finger auf der Aufnahmetaste vor dem Radio gesessen – heute erledigt clevere Software wie „Radio fx“ von Tobit das Mitschneiden vom Webradio automatisch. In der kostenlosen Basisversion können vier beliebige Sender auf die Stationstasten gelegt und permanent mitgeschnitten werden. Alle gespielten Songs erscheinen in der „Timeline“, komplett mit Titel, Interpret und Cover. Sogar die Songtexte sucht Radio fx aus dem Internet heraus. Später können Sie unerwünschte Titel löschen und die anderen, auch Comedy-Einspieler etc. als separate MP3-Files beliebig kopieren. Noch komfortabler ist die „Pro“-Version von Radio fx, die 40 Euro kostet. Was beide Varianten nicht können: gezielt nur Musik von einem bestimmten Künstler oder einen bestimmten Titel mitschneiden. Dass bei moderierten Programmen schon mal Anfang und Ende eines Songs unter den Tisch fallen, wenn die Sprecher über die Musik quatschen, kann natürlich keine noch so clevere Software verhindern. Das Problem hatten wir schon zu Cassetten-Zeiten.

Kombi-Radio im HiFi-Format

Muvid IR 815
€ 180
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: M3 Electronic
Tel.: 01805/588664
www.m3-electronic.de

Mit seinen 43 Zentimetern Breite ist er die Ausnahme unter den Internetradios, und er ist ein wahrer Alleskönner: Außer Webradio empfängt er UKW, DAB, DAB+ und dient als UPnP-tauglicher Netzwerkspieler, der die Tonformate MP3, WMA und WAV decodieren kann. Via USB greift er auch direkt auf Stick oder Festplatte zu, und dann spielt er sogar AAC-Files. FLAC soll er auch können – das Update ist noch in Arbeit.

Ins Netz geht der Muvid über LAN oder das integrierte WLAN. Die Ersteinrichtung geht dank Assistent flott von der Hand. Wer einen WPS-tauglichen Router besitzt, kann sich sogar das Eintippen des WLAN-Passworts sparen. An die HiFi-Anlage wird der IR 815 analog über Cinch, digital optisch oder koaxial angeschlossen. Für den UKW- und DAB-Empfang bringt das Gerät eine fest installierte Wurfantenne mit.

Diese kleine Platine mit dem Venice-6.2-Modul von Frontier Silicon erledigt fast alle Funktionen des Muvid

Eine Besonderheit ist der Zugang zu Last.fm – für 30 Tage kostenlos, danach kostet’s drei Euro pro Monat. Zwar kann man keine Songs zur Lieblingsliste hinzufügen, aber man kann sie überspringen. Sehr schön ist das Display mit allen wichtigen Informationen auf einen Blick. Auch als Netzwerkspieler zeigt der Muvid alle verfügbaren Metadaten zuverlässig an und reagiert sehr zügig. Beim Abspielen via USB erscheint allerdings nur der Dateiname. Normale Internetradios melden sich mit dem Sendernamen, geben aber nicht den Songtitel und Interpreten preis. Für die Navigation bedient sich Muvid der Website von Frontier Silicon. Wenn man sich dort registriert, kann man Lieblingsstationen auf Presets legen. Die alphanumerische Eingabe von Zugangsdaten gelingt dank mehrzeiligem Display recht bequem – allerdings gehen die Fernbedienungstasten zäh.

Von DAB-Spezialist Frontier Silicon stammt auch die komplette Empfangs- und Netzwerkelektronik. Trotz Wurfantenne klappt der Empfang von UKW- und vor allem DAB-Sendern erstaunlich gut – die Empfangsqualität einer ­Dach­antenne lässt sich natürlich nicht erreichen. Auch hier fällt wieder das großzügige Display angenehm auf, das selbst längere Texte anzeigt, ohne auf Lauftext zu schalten.

Wir wollen den IR 815 aber nicht als DAB/UKW-Radio bewerten, sondern als Netzwerkspieler. Über die Analogausgänge klingt er, etwa im Vergleich zum Sonos ZP 90, nicht so samtig in den Höhen, im Bass weniger konturiert und räumlich diffuser. Angesichts des günstigen Preises ist das Ergebnis aber mehr als ordentlich. Zumal man mit einem externen Wandler wie dem Music Hall DAC 25.2 den Klang in luftige Höhen katapultieren kann: Der IR 815 klingt dann sehr schön leichtfüßig und dreidimensional.

Solides Metallgehäuse und <0,1 Watt Standby-Verbrauch sind weitere Pluspunkte. Wer auf UKW/DAB-Empfang verzichtet, kann übrigens mit dem neuen IR 615 für 120 Euro ein Internetradio mit Netzwerkspielerfunktion erwerben – allerdings ohne Last.fm-Zugang.

 

Last.fm spielt wahrlich nicht nur Mainstream. Das Muvid-Display hat auch für längere Texte Platz
Auch Tonformat und Bitrate, Albumname oder Ablaufbalken erscheinen auf Tastendruck im Display