von Ulrich Wienforth
Erinnern Sie sich noch an die Doppel-Cassettendecks aus den Achtzigerjahren? Für Jugendliche war das damals ein „Must have“: Cassetten kopieren, sogar in Highspeed mit bis zu vierfachem Tempo. Obercool! Dass dabei gern mal die Höhen auf der Strecke blieben und sich das Rauschen hörbar erhöhte, nahm man in Kauf. Es waren halt analoge Zeiten.
In den Neunzigern ist die Idee der Kopierstation dann von den CD-Recordern übernommen worden. Doch das verflixte Copy-Bit machte Mehrfach-Kopien einen Strich durch die Rechnung, und die Beschränkung auf Audio-CD-Rs setzte dem Kopiertempo wie auch der Auswahl an Rohlingen Grenzen. Nun gelten all diese Restriktionen ja nur für Consumer-Recorder. Profi-Equipment, das über den Musikalienhandel vertrieben wird, ist von den Einschränkungen ausgenommen.
Und so gönnt sich der CD-882 die wohl virtuosesten Kopiermöglichkeiten, die es je bei CD-Recordern gab. Seine beiden Laufwerke sind aufnahmetauglich, weshalb er nicht nur in beiden Richtungen kopieren kann, sondern auch auf beiden Laufwerken parallel aufnehmen oder – wichtig bei langen Live-Konzerten oder Radio-Mitschnitten – automatisch in beiden Laufwerken nacheinander. Dabei überlappen sich das Ende der ersten und der Anfang der zweiten Disc, so dass der Recorder bei der Wiedergabe beide Mitschnitte nahtlos aneinandersetzen kann. Pfiffig!
Wichtig: Das Anschlussfeld bietet sämtliche analogen und digitalen Schnittstellen aus beiden Welten. Im Menü lässt sich sogar einstellen, ob die Digitalausgänge das Consumer-Format SPDIF oder das Profi-Format AES/EBU-ausgeben sollen. Und auch ein Aussteuerungssteller ist an Bord – was bei Profi-Recordern nicht immer üblich ist. Der digitale Aufnahmepegel lässt sich ebenfalls einstellen. Wenn er aber nicht verändert wird und die Quelle 44,1 kHz Takt liefert, zeichnet der CDR-882 das Signal bitgenau auf, wie unser Test bestätigte. Bei Digitalquellen mit anderen Taktfrequenzen springt automatisch ein Abtastratenwandler ein.
Sogar der CD-Text wird kopiert
Profi-like: die Laufwerkstasten mit Leuchtsymbolen, die LEDs für den Status der beiden Laufwerke, die Peak-Hold-Anzeige in Ziffern zusätzlich zu den beiden LED-Aussteuerungsketten, das Grafik-Display, das für beide CD-Abteile Track-Nummer und Zeit anzeigt oder, falls auf der CD vorhanden, den CD-Text mit Albumtitel, Songtitel und Interpret. Was uns am meisten verblüfft hat: Der CD-Text wird sogar eins zu eins mitkopiert! Bei allen bisher bekannten Recordern unterliegt er einem ganz speziellen Kopierschutz. Via Tastaturbuchse darf man sogar selbst CD-Text-Informationen eingeben.
Kopieren vom einen zum anderen Laufwerk kann man entweder die komplette CD oder eine zuvor programmierte Titelfolge. Bei „Disc Copy“ lässt sich das Kopiertempo im Menü einstellen, aber selbst bei „Low“ dreht der CDR-882 mitunter auf 15x auf. Bei Aufnahmen von externen Digitalquellen werden die Original-Startmarken übernommen, und sie lösen auch den Synchronstart aus. Wahlweise wird er durch den Anstieg des Signalpegels getriggert. Wer in Abwesenheit Radiosendungen mitschneiden will, kann den Record-Timer aktivieren und das Gerät über eine handelsübliche Schaltuhr ans Netz anschließen – eine neue Funktion in der aktuellen Firmware. Apropos: Firmware-Updates können von der HHB-Website heruntergeladen, auf CD gebrannt und in den Recorder eingespielt werden.
Analoge Eingangssignale digitalisiert der CDR-882 mit einem 24-Bit-Wandler von AKM. Dem 24-Bit-Signal fügt er Dither hinzu, bevor er es auf 16 Bit rundet. Falls Digitalsignale mit mehr als 16 Bit eingespeist werden, lassen sich auch diese dithern. Für die Wiedergabe setzt HHB ebenfalls einen AKM-Wandler ein. Die beiden Laufwerke stammen von Philips&LiteON: Es sind DVD-Brenner mit IDE-Anschluss, die bei Normaltempo sehr schön leise laufen. Versorgt wird das Gerät via Schaltnetzteil. Die superdicke Alu-Front lässt sich in 19-Zoll-Racks verschrauben.
Daten-CDs mit MP3- oder WAV-Files kann der CDR-882 nicht wiedergeben. Probleme hatte er auch mit einigen älteren Copy-Controlled-Audio-CDs. Ansonsten pariert der Recorder aber tadellos, wie man das von einem Profi-Gerät erwartet.
Ungezügeltes Tempo
Zum Hörtest haben wir Original-CDs einmal intern auf den MFSL-Gold-Rohling kopiert – wobei sich ein Tempo von 15x nicht unterschreiten ließ, obwohl die CD-R nur bis 12x spezifiziert ist –, zum anderen von einem sehr hochwertigen Player sowohl digital als auch analog zugespielt. Würden sich die beiden unterschiedlich schnell gebrannten Digitalkopien im Klang unterscheiden? Und wie! Die Schnellkopie tönte räumlich enger, mit einer leichten Schärfe in den Höhen. Dagegen überraschte die extern digital zugespielte Version mit einer entspannten, tonal ausgewogenen, deutlich audiophileren Spielweise! Bei analoger Zuspielung wirkt das Klangbild wiederum etwas unruhiger, nicht so gut sortiert, im Bass etwas kurzatmiger als bei Aufnahme über den Digitaleingang.
Und wie klingt so eine Selbstgebrannte bei Wiedergabe auf einem Player der höchsten Güteklasse? Sie spielt eine Spur artifizieller als die Original-CD, liegt aber insgesamt sehr dicht am Original – um Klassen besser als wenn der HHB sie abspielt. Immer vorausgesetzt, es handelt sich um eine Echtzeitkopie. Der CDR-882 ist also ein guter Player und ein ausgezeichneter Recorder. Er hat nur den einen Fehler, dass er sich bei der Internkopie nicht im Tempo drosseln lässt. Es dürfte aber keine Schwierigkeit für HHB sein, dieses Manko nachträglich per Firmware-Update abzustellen.
Profil
HHB CDR-882
um €982
Maße: 48x10x35 cm (BxHxT)
Garantie: 1 Jahr
Vertrieb: Innoton
Tel.: 05481/945081
www.innoton.de
Fazit
Mehr als eine Kopierstation: Der CDR-882 nutzt sämtliche Möglichkeiten eines Doppeldecks, und sein Anschlussfeld fühlt sich in der Profi- wie in der Consumer-Welt zu Hause. Die Internkopie sollte HHB abbremsen, denn bei geringem Tempo brennt das Gerät deutlich besser klingende CDs.
Labor
1. Aufnahme über Digitaleingang
Frequenzgangabweichung max.: 0,4 dB
Rechteck-/Impulsverhalten: gut
Rauschabstand Digital 0: 95 dB
Quantisierungsrauschabstand: 91 dB
Klirrfaktor bei –60 dB: 0,21 %
Linearitätsfehler bis –90 dB: 0,1 dB
2. Aufnahme über Analogeingang
Frequenzgangabweichung max.: 1,4 dB
Rechteck-/Impulsverhalten: sehr gut
Rauschabstand: 93 dB
Quantisierungsrauschabstand: 90 dB
Klirrfaktor bei –60 dB: 0,4 %
Linearitätsfehler bis –90 dB: 0,4 dB
3. Sonstiges
Abtastsicherheit: gut
Einlesezeit: 13 s
Leistungsaufnahme Aus | Standby | Leerlauf
0 | – | 11 Watt
Labor-Kommentar: Minimaler Höhenabfall bei Analogeinspeisung, keine Deemphasis-Schaltung, sonst alles im grünen Bereich.
Ausstattung
Er schluckt PC-Rohlinge, stört sich nicht an Copy-Bits und kopiert sogar den CD-Text. Vorbildlich: das komplette Anschlussfeld für Digital und Analog. Auch der Aussteuerungssteller fehlt nicht – wie bei manch anderem Profi-Recorder. Lediglich auf Wiederholung und Zufallswiedergabe muss man verzichten.
Ausstattungsübersicht
Aufnahme
Aufnahme auch auf PC-Rohlinge möglich: •
Digitalkopie trotz SCMS möglich: •
Bitgenaue CD-Kopie via SPDIF möglich: •
Digitalquellen aussteuerbar: •
Abtastratenwandler: •
Automatischer Fader/Schaltuhraufnahme: •/•
Synchronstart pegelabhängig/zeitrichtig: •/•
Startmarken pegelabhängig/zeitrichtig: •/•
Wiedergabe
„Copy Controlled“-CDs abspielbar:
Key2Audio/Cactus Datashield: •/-
MP3/WMA-Wiedergabe ab Daten-CD: -/-
Programmierung/Zufallswiedergabe: •/-
Wiederholung: Titel/CD/Ausschnitt: -/-/-
Allgemeines
Aussteuerungsanzeige:
Segmentzahl/Peak Hold: 2x11/•
Titel-/Titelrest-/Gesamtrestzeitanzeige: •/•/•
CD-Text/Schönschriftdisplay/Stellenzahl: •/Grafik
Kopfhörerausgang/mit Pegelsteller: •
Cinchbuchsen vergoldet/Mikrofonbuchsen: -/-
Digitaleingänge koaxial/optisch/XLR: •/•/•
Digitalausgänge koaxial/optisch/XLR: •/•/•
Fernbedienung beigepackt: •
Gehäusefarben silber
Metallfront: •
Sonstiges XLR-Ein- und Ausgänge







