von Carsten Barnbeck
Die Vorteile, die ein spezialisierter „Ripper“ gegenüber PCs bietet, konnten wir bei vergleichbaren Tests bereits erkennen: Ein Gerät wie AVAs RS 3 passt in seinem soliden, „HiFi-kompatiblen“ Metallgehäuse nebst blau hinterleuchteter Plexiglas-Front nicht nur optisch besser ins Wohnumfeld, sondern ist jedem Personal Computer auch in punkto Bedienung und Komfort haushoch überlegen. Man benötigt weder Tastatur noch Maus oder Monitor.
Nicht zuletzt beträgt der Stromverbrauch mit 29 Watt nur einen Bruchteil dessen, was aktuelle Duo- oder Quad-Core-Rechner verschlingen. Nicht selten haben diese Maschinen – bei wohlgemerkt ungleich höherer Rechenpower – zehn bis zwanzig Mal höheren Appetit auf teuren Strom.
Pure Rechenleistung spielt bei einem NAS (Network Attached Storage, auf deutsch: Netzwerkspeicher) ohnehin eine untergeordnete Rolle. Die wesentliche Aufgabe des RS 3 ist es, CDs zu rippen, sie also vom optisch hinterlegten S/PDIF-Format in FLAC, MP 3 oder Vergleichbares umzuwandeln und die gewonnenen Daten für die allgemeine Verwertung im Netzwerk bereitzustellen. Und dabei sind in erster Linie das CD-Rom-Laufwerk, in diesem Falle von Sony, sowie die Netzwerkkarte gefordert.
Daher genügt dem RS 3 ein abgespeckter 1,6 Gigahertz-Dualprozessor, der, via Kupferleiter an einen Passivkühlkörper gekoppelt, lüfterlos arbeitet. Auch in dieser Hinsicht ist der herkömmliche Computer gnadenlos unterlegen, erinnert er mit seinen drei bis fünf Ventilatoren doch mitunter an einen startenden Hubschrauber. Die Zahl der Lüfter im AVA beträgt dagegen exakt Null. Sein Geräuschpegel beschränkt sich auf das leise „Knistern“ der Festplatten.
Die Bedienung erfordert im Idealfall einen einzigen Handgriff
Zu bedienen gibt es an einem ordentlich aufgebauten Rip-Server nicht viel. Der Anwender muss lediglich die CD in das Slot-In-Laufwerk einlegen. Der RS 3 beginnt sofort, den Silberling zu analysieren. Ist er mit einem DSL-Router verbunden – und das sollte er im Idealfall sein – sucht er zuerst in der professionellen GD 3-Datenbank nach passenden Interpreten- und Titeldaten. Führt das nicht zum Erfolg, ist die frei zugängliche FreeDB seine nächste Anlaufstelle. Die Trefferquote lag bei unseren Versuchen bei rund 90 Prozent. Bei den nicht gefundenen Medien handelte es sich zugegebenermaßen um besonders fiese Indie-Produktionen, die selbst iTunes oder Exact Audio Copy nicht finden konnten.
In solchen Fällen beginnt der AVA einfach mit dem Rippen und speichert die Audiodaten in einem unbenannten Verzeichnis. Darauf kann man von jedem Netzwerk-Computer aus zugreifen und die Titel manuell editieren. Dank beigelegter „Windows Home Server“-Software lassen sich die Mediendateien zudem hinter einem Passwort verschanzen und relativ unkompliziert bearbeiten. Allerdings sollte man das Umbenennen umgehend erledigen, da man sonst schnell im Dickicht der unbenannten Titel die Übersicht verliert.
AVAs RS 3 beherrscht die doppelte Buchführung
Die Musikdaten werden parallel in zwei Tonformaten abgelegt. Das erste ist verlustfrei (Apple Lossless, WMA Lossless oder FLAC), das zweite komprimiert (MP 3 mit bis zu 320 Kilobit). So ist die höchstmögliche Kompatibilität garantiert, denn der RS 3 unterstützt mit „Squeeze Center“ und „Tversity“ gleich zwei UPnP-Protokolle und versteht sich mit einer Vielzahl von Streamern. Obendrein lässt er sich über das Firefly auch von iTunes über einen Mac oder PC „anzapfen“. Welches Lossless- oder MP 3-Format man bevorzugt, lässt sich ebenfalls über einen vernetzten Computer einstellen.
Als Massenspeicher dienen dem AVA zwei stromsparende, für den störungsfreien Dauerbetrieb mit Passivkühlkörpern ausgestattete Festplatten von Western Digital, die alternativ je 500 Gigabyte oder sogar ein Terabyte an Daten fassen. Die Hälfte des potenziellen Speichers nutzt der Server für ein Backup. Das kostet zwar ordentlich Platz, sicherer geht es dafür aber auch nicht.
Ein Austausch der beiden Laufwerke gegen größere Modelle ist beim RS 3 nicht vorgesehen. Gleichwohl lässt er sich über externe USB-Laufwerke „aufrüsten“. Wer trotzdem befürchtet, mit einem Terabyte (zirka 2900 CDs) nicht auszukommen, sollte besser zum großen Bruder RS 5 (ab 1250 Euro für 2 x 1 Terabyte) greifen. Der ist bei identischer Ausstattung mit drei zusätzlichen Wechselrahmen für Festplatten bestückt. Das sind dann bis zu 14500 Tonträger. Außerdem kann der große auch DVDs rippen.
Das Rippen dauert etwas länger als bei der Konkurrenz
In der Praxis lief der RS 3 völlig komplikationsfrei – und das auch im Dauerbetrieb bei sommerlich-schwüler Witterung. Auffällig war, dass der Ripvorgang mit durchschnittlich sieben Minuten etwas länger dauert als etwa beim RipNAS (Test in STEREO 7/09) oder bei iTunes. Bei stärker verkratzten Discs lässt er sich auch schon mal richtig viel Zeit.
Allerdings wollen wir ihm seine gewissenhafte Fehlerkontrolle nicht zur Last legen, da sie klanglich zu hervorragenden Ergebnissen führte. Die computergenerierten Mediendateien konnte der AVA hörbar abhängen. Die über sein Laufwerk erzeugten FLAC- und MP 3-Dateien wirkten über Linns Majik DS fühlbar luftiger, größer und in sich feiner gegliedert, als die von iTunes und Exact Audio Copy. Mit dem RipNAS liegt er hingegen etwa gleichauf.
Die Fehlerkontrolle des RS 3 sortiert gnadenlos aus. Fällt eine Disc durch sein Toleranzraster, wird der Rip-Vorgang abgebrochen. Will man die CD trotzdem an Bord haben, muss man sie auf einem PC rippen und die Lieder manuell kopieren. Der RS 3 spielt die Songs zwar klaglos ab, will für die minderwertige Ware aber nicht verantwortlich sein. Schlauer Kerl!
Profil
AVA Media RS 3
um €900 (2x 500 GB)
um €1150 (2 x 1 TB)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Herr Kolbe Server Studios
Tel.: 0271/22294060
www.herrkolbe.de
Ausstattung
- Festplatten: Western Digital Green Power mit 2x500 oder 2x1000 GB
- RAM-Speicher: 2 Gigabyte
- Prozessor: Intel Atom 330 (2 x 1,6 GHz)
- Laufwerk: Sony
- Betriebssystem: MS Windows Home Server
- Tonformate: FLAC, Apple Lossless, WMA Lossless, MP 3 (max. 320 kbit/s)
- UPnP-Server: Tversity, Squeeze Center
- iTunes-Server: Firefly
- Leistungsaufnahme: 29 Watt*
- Temperatur: max. 48 Grad am Gehäuse*
- Abmessungen (BxHxT): 39x7x36 cm
- Gewicht: 7 Kilo
*Herstellerangaben
Pro und Contra
- Einfache Inbetriebnahme und Bedienung
- Sehr schneller Server-Zugriff
- Datenqualität besser als mit iTunes, EAC oder Windows Media Player
- Auch in Version mit Laufwerk-Wechselrahmen erhältlich (RS 5)
- Ripper etwas langsamer als bei den Mitbewerbern
- Metadaten gelegentlich nicht gefunden
Klanggewinn durch Optokoppler und Kabel
Nicht selten steht das NAS abseits der Anlage, etwa im Arbeitszimmer, wo es sich eine günstige Netzleiste mit dem Computer oder anderen Geräten teilen muss. Das wirkt sich auf den Ripper selbst weniger schlimm aus, als man zunächst vermuten könnte. Allerdings transportiert er die Stromverunreinigungen – oder richtiger: deren Auswirkungen – über das Netzwerkkabel direkt zur Anlage. Und dort kann die beste Filterleiste nichts ausrichten, wenn die Verunreinigungen über den Streamer und dessen NF-Verkabelung ein Hintertürchen in die Anlage finden.
AVA hat sich Gedanken über diese unheilvolle Verbindung gemacht und bietet als praktische Lösung einen „Network Sound Isolator“ an. Der NSI-1 kostet knapp 150 Euro und trennt Anlage sowie NAS über einen Optokoppler elektrisch voneinander. Eine eigene Stromversorgung ist für den winzigen grauen Kasten nicht erforderlich.
Bei unseren Versuchen fügte der NSI-1 der Wiedergabe tatsächlich – je nach Standort des RS 3 – einen mal stärker, mal schwächer wahrnehmbaren Glanz und teilweise deutlich mehr Tiefenstaffelung und Abbildungsschärfe hinzu. In jedem Fall war eine leichte Klangveredelung hörbar.
Auch den Stellenwert guter Netzwerkverbindungen hat der Hersteller erkannt. Mit seinen CAT 7-Kabeln liefert AVA Modelle, die qualitativ sehr nah an unsere bisherige Referenz von Monster Cable heranreichen und im Hörcheck deutlich homogener, neutraler und seidiger „spielten“ als günstige Beipackstrippen aus dem Computerhandel. Die „CAT 7“ sind in Längen von einem (um 10 Euro) bis zehn Meter (um 46 Euro) erhältlich. Rechnet man den NSI-1 als Verlängerungsadapter hinzu, sind ohne Weiteres Verbindungen von bis zu 20 Metern realisierbar.

- Alternativ zum RS 3 bietet AVA den RS 5 (ab 1250 Euro) an. Mit werkseitig maximal zwei Mal einem Terabyte ist er – übrigens auch funktionsseitig – mit dem kleineren Bruder identisch. Durch seine leicht zugänglichen fünf Festplatten-Slots ist er indes mit einer Aufrüstoption versehen und daher die bessere Wahl für sehr eifrige Disc-Sammler






