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24.07.2014

Test: Streaming Client Linn Sneaky DS

Mehrwert-DS

Linns Kleinster tanzt aus der Reihe: Mit dem vergleichsweise günstigen Sneaky bereichern die Schotten ihre DS-Reihe um einen Streaming-Player mit integriertem Vollverstärker

von Carsten Barnbeck

Das günstigste Gerät in Linns neuer Streaming-Baureihe, der Sneaky DS, grenzt sich gleich in mehreren Punkten von seinen drei undefinedgrößeren Geschwistern ab. Anders als Klimax, Akurate oder Majik ist er nämlich mehr als ein Netzwerk-Player. Seine integrierten 20-Watt-Endstufen und der nur via Fernbedienung steuerbare Vorverstärker befördern ihn zur flexiblen All-In-One-Lö­sung.

Diese erweiterten Möglichkeiten hat Linn gekonnt verpackt. Der Sneaky hat ein Gehäuse, das eigentlich nur aus zwei gebogenen Leichtmetallblechen besteht, die seine schwarze Elektronikwanne oben und unten abdecken. Über einen Satz mitgelieferter Alu-Füße kann man ihn wahlweise aber auch aufrecht stellen, was nicht nur Platz spart, sondern je nach Umgebung auch noch richtig stylisch aussieht.

Handling und Installation unterscheiden sich nicht von den übrigen DS-Maschinen. Der Sneaky wird einfach mit einem Router verbunden und meldet sich ganz selbstständig im Netzwerk an. Ist das geschehen, hat man neben dem reinen Abspielen der dort gespeicherten Musikdaten allerdings auch die Möglichkeit, Internet-Radiostationen anzuzapfen. Damit steht Linns Kleinster im Familienverbund ziemlich alleine da.

Am spannendsten dürfte aber seine Fähigkeit sein, als Streaming-Komplettanlage zu arbeiten – auch wenn er sich über seine analogen oder digitalen Ausgänge wie die Geschwister als Line-Quelle betreiben lässt. Im kleinen STEREO-Hörraum hinterließ er im Zusammenspiel mit Magnats geräumiger Standbox Quantum 905 einen anmachenden Eindruck. Sein Tonfall ist voluminös und stämmig, wodurch er relativ anspringend und markant herüberkommt.

Seine Mittenwiedergabe hat eine sehr gute Präsenz, Stimmen und Soloinstrumente können sich somit selbst in komplexen Abmischungen durchsetzen. Diese Eigenschaft wird durch seine große und sehr greifbare Abbildung unterstrichen. Claire Martin hauchte ihr „He Never Mentioned Love“ so plastisch ins Mikrofon, als würde sie vor dem Zuhörer stehen. Diese Aufnahme konnten wir über den Sneaky in voller „Studio Master Quality“ genießen, da auch seine Wandler Tondaten mit bis zu 192 Kilohertz unterstützen und somit spielerisch diese 96 kHz-FLAC-Daten decodieren.

Noch etwas besser wurde die Performance dann an Dynaudios Focus 140. Die kleine Kompakte lässt den Bass schlanker und straffer wirken, wodurch der DS spürbar schneller und präziser in den unteren Lagen aufspielte. Im direkten Vergleich setzten wir ihm unter anderen NADs überragenden 315 BBE gegenüber, der insgesamt geschmeidiger aufspielte, mehr Auflösung bot und mit seiner „Powerdrive“-Technologie erwartungsgemäß im Bass noch trockener musizierte. Doch diese Ge­genüberstellung hinkt, da wir Linns Alleskönner gegen einen Spezialisten antreten ließen. Vor allem bei der Bühnen­staffelung und Raumaufteilung sowie hinsichtlich seiner prägnanten Mittenpräsenz behielt der Sneaky die Nase vorn. Er ist ein gutes Basisgerät für die DS-Jünger. Die Klangprozente gelten aber seinen Streaming-Qualitäten.

Profil

Linn Sneaky DS
um 1450 Euro (um 1750 Euro inkl. Installations-Service)
Maße: 35 x 4 x 27 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre (5 nach Registrierung)

Fazit

Linear und anspringend, konturscharf und plastisch ist der Sneaky DS mit seinem integrierten Vollverstärker momentan die ansprechendste „Netzwerk-Anlage“.

Ausstattung

2x20 Watt, Lautsprecher-Anschlüsse, ein LAN-Anschluss, ein unsymmetrisches, vergoldetes Cinch-Ausgangspaar, optischer und koaxialer Di­gitalausgang, zwei RS-232-An­schlüsse, Erdungsklemme, unterstützt WAV und FLAC bis 192 Kilohertz und 24 Bit sowie MP3 in allen Auflösungen.

Allein der kleine Sneaky verfügt über eine interne Verstärkung und Lautsprecherbuchsen. Er ist damit praktisch eine komplette Netzwerk-Anlage