Test: Standlautsprecher Nubert nuLine 122
Günthers Größte
Die NuLine 122 von Nubert stellt mit sattem Format und edlem Finish das Flaggschiff des schwäbischen Lautsprecherherstellers dar. Bei STEREO unterstreicht sie eindrucksvoll diesen Status
Tobias Zoporowski
Mit der stattlichen 1,25 Meter hohen und über 40 Kilo schweren Säule NuLine 122 begrüßen wir nun, nach dem fulminanten Fünf-Sterne-Durchmarsch der knallhart kalkulierten NuBox 681 aus STEREO 6/2007, das „Mehr-Nubert-geht-nicht“-Exemplar aus Schwäbisch Gmünd in unseren Hörräumen. Tatsächlich markiert die in drei Holzfurniersorten und zwei edlen Schleiflackvarianten – schwarz und weiß – erhältliche Box zum Stückpreis von nicht einmal 1100 Euro die Spitze des HiFi-Produktportfolios. Und präsentiert sich gewohnt tadellos und wertig gefertigt. Das hochglanzschwarze Outfit verleiht der großen Schwäbin dabei eine durchaus dominante und kraftvolle Aura. Womit sie übrigens nicht zu viel verspricht.
Das Innenleben der NuLine 122 – einem Zweiwegekonzept plus zwei integrierten Subwoofern, die parallel laufen – ist mit diversen, unterschiedlich großen Elementen aufwändig versteift. Der Tiefmitteltöner arbeitet gar in einem eigenen, keilförmigen Gehäuse, das stehende Wellen minimiert und den Treiber vor dem Druck schützt, den die beiden mächtigen Subbässe, die auf ein großzügig bemessenes Bassreflexrohr arbeiten, erzeugen. Im Hochtonbereich werkelt die in einem Zeitraum von über zehn Jahren stetig optimierte 25-Millimeter-Gewebekalotte, die in fast allen nubertschen Modellreihen zum Einsatz kommt. Auffallend ist die asymmetrische Anordnung der Hochtöner. Beide Lautsprecher tragen auf ihrem Typenschild eine Seitenkennung (Links, Rechts). Bei „korrekter“ Positionierung zeigen die Tweeter nach innen, was für eine bessere Fokussierung und Ortbarkeit der oberen Etagen sorgt. Nubert rät in der Aufstellanleitung aber durchaus zu Experimenten. So kann eine seitenvertauschte Platzierung der Boxen je nach Hörgeschmack eine breitere Bühnendarstellung bringen, ohne dass die Ausgewogenheit der Abbildung da-runter leidet.
Selbstverständlich hat man in Schwäbisch Gmünd auch unterschiedliche raumakustische Bedingungen der potenziellen Kunden bedacht und der NuLine 122 zwei Schalter auf dem Rücken installiert: Der untere justiert die Basswiedergabe (neutral und präzise/etwas stämmiger und dafür „weicher“), der obere passt die Wiedergabe der Höhen in drei Positionen (sanft/neutral/brillant) an. Wem das nicht reicht, der greife zum cleveren Tuningtool „ATM“ (um 250 Euro, siehe Kasten). Zum Klangtest trat die NuLine 122 fairerweise ohne Zusatzmodul und mit Klangstellern in neutraler Position an.
Wobei sie auch gleich deutlich machte, dass sie derlei Frequenzkorrekturen gar nicht braucht. Es war vollkommen gleichgültig, mit welchem Musikprogramm wir sie fütterten: Ob mit sparsam instrumentiertem aber teils übel komprimiertem Elektro-Pop, feinen und warm-schmelzigen Songwriterballaden oder komplexer orchestraler Klassik – die große Nubert blieb völlig gelassen, räumlich großzügig und souverän. Im Bass reichte sie fast markerschütternd tief hinab, blieb dabei stets trocken, stabil, schnell und präzise.
Allerdings sollte man dieser großvolumigen Box einen mindestens 30 oder mehr Quadratmeter großen Raum zur Entfaltung gönnen, in einer Besenkammer verkauft sich „Günthers Größte“ unter Wert. Und das wäre ihres ausgeprägten Allroundtalentes nun wirklich nicht würdig.
Profil
Nubert nuLine 122
Paar um 2200 Euro
Maße: 24,5 x 125 x 38,5 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Nubert Speaker Factory
Tel.: 07171/9269018
www.nubert.de
Labor
Nubert zeigt, wie harmonisch sich ein Mehr-Treiber-System abstimmen lässt. So kennen wir das sehr präzise Timing eher von reinen Zwei-Wege-Konzepten, die beiden mächtigen Basstreiber folgen Impulsen mit geringster Verzögerung. Gehäuseresonanzen gibt es so gut wie gar keine. Im Tiefton reicht die NuLine 122 bis deutlich unter 40 Hertz hinab, ihr Wirkungsgrad liegt bei etwa 83 Dezibel. Ein etwas leistungsfähigerer Verstärker sollte also her. Dieser bekommt dann aber aufgrund des vorbildlich unkritischen Impedanzverlaufes der großen Schwäbin, der sie als Vier-Ohm-Lautsprecher ausweist, überhaupt keine Probleme, sie anzutreiben. Die beiden roten Linien der oberen Grafik zeigen die Wirkung des Hochtonschalters. Auf Achse gemessen ist der Frequenzgang superb!







