Test: Vollverstärker Yamaha AX-397
Von Tobias Zoporowski
Yamahas Einsteiger-Verstärker AX-397 beeindruckt bereits nach dem Auspacken durch schiere Größe. Die dicke, titangraue Frontplatte besteht aus gebürstetem Aluminium und wird durch eine effektvolle Lichtkante unterbrochen. In der unteren Hälfte beherbergt eine solide Klappe die Klangregelabteilung nebst variabler Loudnessanpassung, eine Spezialität der Japaner.
Keine Frage, dieses Gerät ist eine „Wuchtbrumme“, denn: So, wie der Amp aussieht, so klingt er auch. Stets kraftvoll und groß, mit erdig-sonorem Grundton und cremigen, natürlichen Mitten. Ein Hochtonfetischist im Sinne von seziermesserartiger Auflösung ist der AX-397 indes nicht, seine homogene Ausgeglichenheit ist aber Garant für lange und völlig entspannte Hörabende ohne Reue. Für die CD-Wiedergabe hält der Japaner sogar einen eigens zuschaltbaren „Direct“-Eingang bereit, der das Klangregelwerk umgeht.
Auch Freunde schwarzer Scheiben lässt der prächtige Bursche nicht im Stich. Der eingebaute Phono-Entzerrervorverstärker sitzt nicht, wie bei den meisten anderen Wettbewerbern auf der Haupt-, sondern auf einer separaten Platine, die vor störenden Einstreuungen anderer Baugruppen effektiv geschützt fernab von diesen montiert wurde.
Standardmäßig, alles andere wäre in dieser Preisklasse nicht überzeugend zu realisieren, nimmt der Phonoeingang ausschließlich Signale von MM-Tonabnehmern entgegen. Dies gelingt ihm aber so überzeugend, dass man die Phonostufe des dicken Japaners glatt für eine externe, durchaus kostspielige, Lösung halten könnte. Auch sie nimmt sich in den oberen Lagen etwas zurück, ohne dabei Details zu unterschlagen, und steht den Hochpegeleingängen – es gibt sechs inklusive Tapeschleife mit Hinterbandkontrolle – in Sachen kraftvoller und kerniger Intonation in nichts nach.
Wer seine Nachbarn in ihrer wohlverdienten Nachtruhe nicht stören möchte, findet hinter der Klappe an der Front einen 6,3-Millimeter-Klinkeneingang für Home-HiFi-Kopfhörer. Lästiges Gefummel mit Adaptersteckern entfällt also. Prima!
Und so gibt es an unserem, selbstverständlich fernbedienbaren, Nippon-Boliden doch tatsächlich nix zu meckern, wobei wir diese fast schon – sorry, liebe Yamaha-Entwickler! – streberhafte Mustergültigkeit inzwischen beinahe gewohnt sind. Der AX-397 bietet eine reichhaltige und sinnvolle Ausstattung, eine tadellose Verarbeitung mit wertigem Finish und eine Klangdarbietung, die für nahezu jede Musikrichtung die richtige Mischung darstellt. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis gar nicht zu reden!
Bewertung
Ganz bestimmt hatten Sie früher auch solche Mitschüler, die immer überall vorne dabei waren. So ganz Untadelige, ansonsten unauffällig, aber immer mit den besten Noten. Kurz: Streber! Allerdings kann man nicht verhehlen, dass kontinuierlich gute Leistungen eben zum langfristigen Erfolg führen. Und zwar in allen Klassen. So kann Yamaha von sich behaupten, in nahezu allen Preisregionen, die das Sortiment zu bieten hat, exzellente Qualität abzuliefern. Der AX-397 macht da keine Ausnahme. Die pfundige Verarbeitung beeindruckt, die umfassende Ausstattung lässt kaum Wünsche offen und sein kraftvoll-homogener Klang, insbesondere über den tollen Phono-Pre, wird preisbewusste Kunden begeistern.




