Test: Vollverstärker Onkyo A-9355
Von Carsten Barnbeck
Als er im vergangenen Jahr auf den Markt kam, hätte Onkyos A-9355 noch nichts in diesem Testfeld zu suchen gehabt. Mit seinen 500 Euro lag er seinerzeit noch deutlich oberhalb des von uns gesteckten Rahmens. Zwischenzeitlich um satte 100 Euro he- runtergesetzt passt er nun aber hervorragend als obere Abschlussmarke ins Feld. Außerdem wurde der üppig ausgestattete und ansprechend musizierende PWM-Verstärker durch den Preisnachlass in Schnäppchen-verdächtige Regionen katapultiert.
Richtig verstanden: Unter der Haube des 9355 schlägt ein digitales Herz. Das kann sich auf die Erfahrungen der hauseigenen VL-Technologie (Vector Linear) stützen, die auch in allen größeren Geschwistern zum Einsatz kommt. Ein wesentlicher Eckpfeiler in Onkyos Herangehensweise ist, dass die Entwickler versuchen, alle Vorzüge digitaler Verstärkung – das sind Verfärbungsfreiheit und ein enorm hoher Wirkungsgrad – zur Geltung zu bringen, ohne dabei auch die Nachteile der Technik ans Tageslicht zu befördern. Eine Problemzone aller PWM-Amps sind hochfrequente Störanteile, die sich auf den Klang auswirken können. Die Kunst ist es nun, sie herauszufiltern, ohne die Bandbreite unnötig einzuschränken.
Dabei kann sich der Verstärker auf hochwertige Bauteile verlassen, zu denen ein üppig dimensioniertes Netzteil und ein diskret aufgebauter MM-Phono-Pre gehören. Auch an der Verarbeitung hat man nicht gespart und spendierte dem A-9355 eine Metallfrontplatte samt großer, griffiger Regler.
Klanglich belegt der Onkyo einen Spitzenplatz im Testfeld. Er spielt ebenso flüssig wie musikalisch und bietet obendrein unter allen Mitbewerbern die beste Feindynamik, bei der selbst kleinste Nuancen nicht untergehen. Dagegen wirkte so manch anderer Amp geradezu grobschlächtig. Tonal präsentiert sich der PWM-Verstärker ausgewogen, harmonisch und natürlich.
Einen zusätzlichen Pluspunkt verdient er sich mit seiner offenen und detailreichen Hochtonabbildung, die nichts Bissiges oder Aggressives aufweist. Im Gegenteil: Dank eines stämmigen und satten Fundaments wirkt er in der Summe sogar eher sonor abgestimmt und macht auch bei höheren Pegeln noch enorm viel Spaß. Erwähnung verdient übrigens auch seine tiefe und überaus plastische Bühnendarstellung. Das Panorama reicht freilich nicht an unsere Testreferenzen für mehrere Tausend Euro heran, vermittelt aber immerhin einen viel versprechenden Ausblick auf das, was wir gemeinhin als eine „große Abbildung“ bezeichnen.
Aus heutiger Sicht ist das natürlich reine Spekulation, aber vermutlich hätte dieser Verstärker auch unter der 500-Euro-Konkurrenz einen guten Schnitt gemacht. In der Preisklasse bis 400 Euro schlägt er sich jedenfalls mit Bravour.
Bewertung
Mit dem A-9355 konnte uns Onkyo gleich in mehrfacher Hinsicht überraschen: Der Vollverstärker bietet eine gute Ausstattung, tolle Verarbeitung und ist mit seiner PWM-Technologie eine echte Ausnahmeerscheinung im Testfeld – die kennt man sonst nur aus deutlich kostspieligeren Geräten. Außerdem klingt der Verstärker angenehm dynamisch und kraftvoll, spielt räumlich auf und gehört zu den musikalischsten Amps in seiner Klasse. Optional kann er um ein iPod-Dock erweitert werden. In der Messung zeigte der Onkyo gewisse Eigenheiten im Frequenzgang, die wir jedoch von Digitalverstärkern kennen. Das Testgerät ging übrigens im Verlauf des Fünf-Watt-Kurzschlusstests kaputt.




