Test: Vollverstärker Cambridge Azur 340A SE
Musischer Engländer
Von Tom Frantzen
Der Cambridge trifft als bislang kleinster getesteter Verstärker der bekannt audiophilen Briten auf eine gewisse Erwartungshaltung, waren doch seine großen Brüder Azur 640A und 740A stets eine sichere Bank für die vorderen Ränge in ihrer Klasse. Zudem ist der 340 SE eine bereits getunte Sonderausführung des rund 60 Euro günstigeren Einstiegsmodells 340. Beim SE wurde die Siebkapazität des Netzteils – und damit vor allem die Impulsleistung – erhöht.
Er verzichtet auf Phono und präsentiert sich so als geradliniges Hochpegelkonzept. Der geneigte Käufer kann sich ja die separaten Phonostufen des Hauses ansehen, die ohnehin jeder hier denkbaren integrierten Lösung überlegen sind. Zwar kommen auch beim Cambridge in der Endstufe Modulbausteine zum Einsatz, aber die hier verwendeten sind technisch von ungleich fortschrittlicherer Bauart als beim Sony und zudem kanalgetrennt, was sich auch in den Messwerten positiv niederschlägt.
Als Schmankerl bietet der mit Klangregelung und Anschlüssen für zwei Boxenpaare gut ausgestattete Cambridge zudem einen frontseitigen 3,5-Millimeter-Klinkeneingang für MP3-Player oder andere Porties. Auch den hat der „normale“ 340er übrigens nicht. Die Mittenwiedergabe ist es wieder einmal, die dem kleinen Cambridge eine Ausnahmestellung verleiht und ihn zum wahren Musiktalent macht. Höchste Auflösung und atemberaubende Dynamik sind nicht so sehr seine Stärke, stattdessen klingt er eher satt und seidig, vielleicht auch einen Tick zu sanftmütig, mitunter fast schüchtern. Er ist eben kein Kraftprotz, musiziert dafür jedoch ungemein flüssig, farbig und harmonisch mit für diese Preisklasse ungewöhnlich stark ausgeprägter Räumlichkeit und übersichtlicher Staffelung.
Der ideale Amp weniger für Big Bands als für Kammermusik, kleinere Jazzensemble und vor allem eines: Stimmen!
Bewertung
Clever und smart muss man den kleinen Cambridge nennen. Am Ende ist er zwar kein ganz so großer Wurf wie seine Brüder aus den höheren Baureihen, aber er spielt ungemein musikalisch und stimmig. Für einen der Spitzenplätze der Einsteigerklasse fehlt es ihm lediglich etwas an Verve, was die gegebene Universalität etwa für Rockmusik leicht einschränkt. Dennoch werden ihn aufgrund seiner verführerischen Handhabung der mittleren Tonlagen gerade audiophile Feingeister mögen. An wirkungsgradstärkeren Lautsprechern und mit entsprechend abgestimmten Kabeln spielt er über das bereits gute Testergebnis hinaus.




